Dieser Artikel nimmt das Gebaren von Website-Eignern und Web-Agenturen auf die Schippe, sich selbst und dem Erfolg deiner Website permanent Steine in den Weg zu legen und versteht sich als sarkastische Negativbetrachtung. Wenn du deine Website erfolgreich machen willst, musst du alles Gesagte ins Gegenteil verkehren.
Webseiten erfolgreich verstecken
- Lösch alte Neuigkeiten einfach. Liest ja eh keiner mehr.
- Erzähl auf deiner Website bloß nichts über dich und deine Firma, geschweige denn, über deine Mitarbeiter. Impressum genügt doch.
- Wenn du deine Website neu auflegst, z.B. durch ein neues Design, dann schau dir auf keinen Fall die bisherigen Statistiken über die Klickwege deiner Kunden/Besucher an.
- Wenn du deine Website so richtig gut verstecken willst, dann lass einfach eine Agentur, die von Conversionrate, Usability und derlei dingen noch nie etwas gehört hat, aber „hübsche Dinge macht“, deine Website einfach neu „designen“ und lass sie „versteckt“ entwickeln, damit du alle bisherigen Besucher und Rankings erfolgreich vernichtest, wenn du diese eines Tages einfach zum „Launch“ deine alte Website damit komplett ersetzt.
- Leg den Fokus deiner Website vor allem auf aufwändig ausgesuchtes Stockphoto-Material; schließlich kennt ja jeder den Spruch „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“.
- Setz weiterhin auf dein 1980 teuer erworbenes CMS, schließlich muss sich diese Investition erst amortisieren. HTML-Code, der auf der Höhe der Zeit ist, spielt doch eh nur eine untergeordnete Rolle.
- Sicher dir einfach alle Domainnamen, die dir in den Sinn kommen. Schließlich gibt es so tolle Tools, um die zu verwalten. Lass jemanden, der „301“ noch nie gehört hat, deine Domains verwalten und einrichten.
- Lass von so einer Super-cleveren SEO-Agentur „Landingpages“ anfertigen, die nicht über deine normale Navigation zu finden sind. Das ist ein tolles Mittel, um Besucher garantiert abzuschrecken.
- Lass dir von einer Super-duper SEO-Agentur eine „Linkstrategie“ verkaufen, bei der du „garantiert jeden Monat 1.000 neue Links“ auf deine Website erhältst, für nur 59 – 125 € pro Monat. Schließlich geht es hier doch nur um die nackte Zahl der Backlinks, oder?
- Wenn du richtig clever vorgehen willst, stell deine Inhalte doch einfach als PDF-Downloads bereit. Schließlich war das 1990 schon toll, alles als PDF irgendwo zu haben.
- Lass deine Web-Agentur den Besucherfluß auf der Seite (Benutzerführung) planen und durchführen. Schließlich sind das ja Profis. Die wissen am besten, wie man „im Web“ navigiert. Daß deine Produkte in einer bestimmten Reihenfolge oder gar thematisch gruppiert werden müssen, ist doch egal, die bringen einfach jedes Ding einzeln als Menüpunkt an. Wer braucht schon Benutzerführung?
- Wähl die Farben, das Design und das Layout ausschließlich auf Basis deines eigenen Geschmacks und Erfahrungshorizontes aus. Oder passend zur Handtasche deiner Frau. Deinen Besuchern wird das gefallen müssen.
- Ignorier die Tatsache, daß diese „toll super-erfolgreichen Webshops wie Amazon“ jeden Tag eine große Menge Arbeit und Mühen in ihren Shop investieren, damit das auch so bleibt. Einmal einen Webshop mit Design für 5.000 € zu kaufen, war schließlich teuer genug.
- Kopier auf jeden Fall einfach die phantasielosen Texte von der Konkurrenz oder aus dem Prospekt des Herstellers direkt in deine Produktbeschreibungen. Gib dir auf keinen Fall Mühe damit, du hast schließlich gar keine Zeit dafür. Die Besucher sollen das ja kaufen, sich nicht informieren.
- Setz auf jeden Fall Stockphotos (gekaufte/gemietete) auf deine Internetseite. Was sich auf anderen Seiten bewährt hat, kann ja nicht falsch sein. Verwende bloß keine eigenen Bilder, die dem Besucher das Produkt näherbringen.
- Halt auch deine Daten geheim! Nutz bloß nicht die Tools wie Analytics und Webmasters Tools des Datenkraken Google. Nutz am besten irgendein Webstatistik-Tool, daß dir totale Privatisierung deiner Statistiken verspricht. Bezahl auf jeden Fall Geld dafür. Verzichte lieber auf die Neuerungen und Verbesserungen, die von Google kostenlos zur Verfügung gestellt werden.
- Ignorier die Hinweise von SEO-Spezialisten und bestehe auf dem Top-Ranking deiner Lieblings-Keywords.
- Schalt für viele tausend Euro Werbung in Printmedien, aber investier bloß nicht in dieses „Google Adwords“, bei dem du sehen kannst, was ein Besucher angeklickt hatte!
- Es ist natürlich klar: Wenn du neue Kunden generieren willst, dann lass Müller vom Vertrieb mal eben eine Liste mit 100.000 Email-Adressen erstellen, die dieser gekauft hat und verschick deine Werbebotschaft an diese. Noch viel besser: Flut einfach die Briefkästen in der Stadt mit deinen Werbebotschaften. Von 10.000 Versuchen klappt schließlich einer!
- Spar bares Geld! Lass deine „Homepage“ einfach von deinem Neffen erstellen. Cleverer Bursche, das. Kennt sich aus mit diesem „Internet“.
- Leg keinerlei Wert auf vernünftiges Hosting und nutz ein Billig-Massenangebot ohne eigene IP. Bad Neighborhood spielt schließlich kaum eine Rolle.
- Nutz einen tollen Homepage-Baukasten oder einen Mietshop, um richtig gute Geschäfte zu machen.
Wenn du dies alles – oder auch nur einen Teil davon – so umsetzt und dies Teil deiner Unternehmenskultur ist: Herzlichen Glückwunsch! Du bist auf dem Wege, deine Website garantiert so gut zu verstecken, daß du quasi unauffindbar wirst.